Mac Pro

  

 

 

 

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Die Grundidee im neuen Design des Mac Pro zielt vor allem auf Leistung bei gleichzeitiger Energieeffizienz ab. Darum sind die am meisten Wärme erzeugenden Bauteile auf einem großen gemeinsamen Trägerelement, dem „Thermal Core“, einem Alu-Kühlkörper mit dreieckiger Grundform montiert, der im Zentrum des zylinderförmigen Gehäuses steckt.

Der äußere Gehäusezylinder macht sich mit seinen großen Öffnungen an der Ober- und Unterseite die Wirkung des Kamineffekts zunutze. Die im Inneren erzeugte Hitze steigt auf und erzeugt dadurch an der Unterseite einen Unterdruck, der kühlere Luft ansaugt und nachführt. Unterstützt wird dies lediglich durch einen ungewöhnlich großen Lüfter an der oberen Austrittsöffnung, der die Sogwirkung verstärkt, dabei aber die meiste Zeit nur mit sehr geringen Umdrehungszahlen läuft. Das sind in der Regel rund 770 Umdrehungen pro Minute. Nur bei starker Last wird die Drehzahl erhöht, um mehr Wärme abführen zu können.

Apple hat für den Lüfter eine spezielle Luftführung und Schaufelradgeometrie entwickelt, die für ein äußerst geringes Betriebsgeräusch sorgt. Im Standardbetrieb ist der neue Mac Pro fast nicht zu hören. Neben einem aktuellen MacBook Pro in gleichem Abstand und in absolut ruhiger Umgebung ist er etwas deutlicher zu vernehmen. Aber im Gegensatz zum MacBook ist der Mac Pro nicht ganz so kritisch bei ansteigender Last. Um die Lüfter des MacBook Pro zu einem deutlich hörbaren Rauschen zu bringen, reicht es manchmal schon aus, ein HD-Video abzuspielen.

Der Mac Pro erhöht bei solchen “Kleinigkeiten” nicht mal ein bisschen die Drehzahl des Lüfters und bleibt somit unverändert leise. Selbst wenn er schwer gefordert wird und der große Lüfter auf seine maximale Drehzahl von ca. 1.900 UPM hochgefahren wird (was in der Praxis nur selten vorkommen dürfte und äußerst schwer zu provozieren ist), bleibt das Betriebsgeräusch sehr erträglich, weil es sich nicht in ein zischendes Pusten, sondern eher in ein dezentes Hauchen verwandelt. Die großen Ein- und Austrittsöffnungen und der strömungsoptimierte Lüfter machen den Unterschied. Das allein hebt ihn von seinen rauschenden Vorgängern deutlich ab und macht ihn zu einen wesentlich angenehmeren Partner am Arbeitsplatz.

Wie effizient die Wärmeableitung des Mac Pro funktioniert, kann jeder selbst feststellen, indem er die Hand über die große Austrittsöffnung hält. Schon im Normalbetrieb bei niedrigster Drehzahl ist ein deutlicher, eher kühlender Luftzug zu spüren. (Gut gegen schwitzige Hände!) Die Temperaturen der internen Bauteile, vom RAM bis zum Prozessor, liegen dabei im Schnitt bei gerade mal 30° C, plus/minus ein paar Grad. Um den Mac Pro überhaupt zum Transpirieren zu bringen, muss der CPU und den GPUs schon ein verdammt großer Batzen Code zum Fraß vorgeworfen werden.

Das zweite Kernelement des neuen Designs ist der Verzicht auf interne Steckplätze. Anstatt mit einem großen Gehäuse viel Luft zu umbauen, um eventuell darin zusätzliche Steckkarten oder Laufwerke betreiben zu können, lautet die Devise beim neuen Mac Pro: Alles drin, was absolut nötig ist, alles andere kann extern hinzugefügt werden, wenn der Kunde es braucht. Damit muss auch kein Netzteil verbaut werden, das Leistung für Zusatzmodule bereithalten muss, die vielleicht nie eingebaut werden. Ebenso wird ein völlig überdimensioniertes Kühlsystem mit multiplen Lüftern überflüssig. Nur dadurch wurde es möglich, den neuen Mac Pro so kompakt zu bauen.

Für die Anbindung von externen Erweiterungen bietet der Mac Pro 2013 sechs Thunderbolt-2-Ports, vier USB-3-Anschlüsse und zwei Gigabit-LAN-Schnittstellen. Darüber hinaus verfügt er standardmäßig über Gigabit WLAN (802.11ac) und Bluetooth 4.2. Mehr zum Thema interne Erweiterbarkeit weiter hinten im Text. Apple entledigt sich damit grundsätzlich der Notwendigkeit, eine interne Infrastruktur für Fremdprodukte vorhalten zu müssen, über die man selbst keine Kontrolle hat. Das kann aus Verbrauchersicht ebenso positiv wie negativ angesehen werden. Für Apple bedeutet das ganz einfach weniger Unbekannte in der Gleichung.

Drittes Kernelement des neuen Designs: Apple setzt verstärkt auf Rechenleistung durch GPUs und verbaut deswegen gleich zwei Grafikkarten mit sehr hoher Spezifikation. Stattdessen kommt – zumindest in der ersten Generation des neuen Designs – nur eine Workstation-CPU mit 4 bis 12 Kernen zum Einsatz. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Kosten für Workstation-CPUs, genauer gesagt die Intel Xeons, mit zunehmender Anzahl der Kerne exorbitant steigen. Während der 4-Core Mac Pro für rund 3.000 Euro zu haben ist, beträgt allein der Aufpreis für die 12-Core-Variante absurde 3.500 Euro. Der maximale Aufpreis für die Grafikoptionen liegt da mit 1.000 Euro vergleichsweise günstig, dabei können leistungsfähige GPUs in vielen (nicht allen) Situationen sogar viel mehr bringen, als zusätzliche CPU-Kerne.

Wo genau der Sweet-Spot in Sachen CPU-Cores ist, muss jeder Kunde selbst auf Basis seiner Anwendungen ermitteln. In den meisten Fällen dürften die Basismodelle mit 4 oder 6 CPU-Kernen ausreichen. Möglicherweise hat Apple auch hier mittels genauer Bedarfsanalysen festgestellt, dass Multiprocessing/Multicore-Anwendungen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil bei der anvisierten Kundschaft ausmachen und sich daher lieber für die in Zukunft wahrscheinlich immer wichtiger werdende Multi-GPU-Lösung entschieden.

Die CPU ist übrigens gesockelt und kann mit relativ geringem Aufwand von versierten Anwendern selbst getauscht werden. Inzwischen wurde bestätigt, dass sich auch andere XEON-CPUs einbauen lassen, die Apple selbst nicht anbietet. Ob künftige Mac Pro wieder Dual-CPU-Optionen bieten werden, ist schwer einzuschätzen, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Mit verbesserter Energieeffizienz der Prozessoren, wie im Desktop-CPU-Bereich gerade überzeugend demonstriert wird, sollte das Kühlkonzept des neuen Mac Pro mit einer hypothetischen künftigen Dual-Workstation-CPU-Lösung kein Problem haben.

Der gesamte Hardwareaufbau des neuen Mac Pro ist mit vergleichsweise wenigen Baugruppen realisiert, die einfach zu demontieren und zu tauschen sind, was die Servicefreudlichkeit erhöht. Theoretisch ließen sich sogar die Grafikkarten mit wenig Aufwand gegen hochwertigere ersetzen, wenn Apple welche verfügbar macht. Ob es jemals einen entsprechenden offiziellen Upgrade-Pfad geben wird, ist aber fraglich.

Bei den am häufigsten vom User getauschten Komponenten, dem RAM und dem Massenspeicher, ist der Austausch ein Kinderspiel. Einfach die Verriegelung an der Rückseite lösen, den Gehäusezylinder nach oben abziehen und schon hat man Zugriff. Die RAM-Riegel können ganz einfach ohne Werkzeug ersetzt oder aufgerüstet werden. Im Zubehörhandel gibt es passende RAM-Riegel zu deutlich günstigeren Preisen, als die von Apple angebotenen. Zum Austausch der SSD muss lediglich eine Sicherungsschraube gelöst werden. Passende SSDs von Fremdanbietern sind bereits in Vorbereitung.

Konsequenterweise verzichtet Apple beim neuen Mac Pro auch auf interne optische Laufwerke. Apple nimmt wohl an – zurecht, wie ich behaupten möchte –, dass die Tage der CD-, DVD- und Blu-ray-Brenner gezählt sind und ein standardmäßiger Einbau solcher Laufwerke nicht mehr zeitgemäß ist. Wer nach wie vor auf diese Technik angewiesen ist, kann sie ebenfalls bequem extern anschließen. Ich persönlich habe seit rund zwei Jahren keinerlei optisches Laufwerk mehr und habe es auch nicht vermisst. Von daher finde ich es absolut okay, dass ich kein Bauteil kaufen (sprich: bezahlen) muss, das ich nicht benötige. Das gilt übrigens auch für die nicht serienmäßig mitgelieferte Tastatur und Maus. Solche Eingabegeräte besitze ich bereits und muss daher keine aufgezwungene Tastatur/Maus im Schrank verstauen. Wer Tastatur und Maus benötigt, kann diese natürlich mit einem Mausklick problemlos dazu bestellen.

In letzter Konsequenz bedeuten all diese Designentscheidungen: Der neue Mac Pro ist pures „Solid State”! – Mit Ausnahme des einzelnen Lüfters natürlich.

Noch ein wichtiger Aspekt, der den Mac Pro auszeichnet, ist seine konsequente Unterstützung für 4k-Displays. Selbst in der Basisausführung können bis zu drei der hochauflösenden Displays mit 60 Hz und ein weiterer 4k-Bildschirm via HDMI mit 30 Hz betrieben werden. Die massive 4k-Unterstützung sagt aber auch einiges über die von Apple angepeilte Zielgruppe aus. Video- und Fotografen, sowie andere grafische Anwendungen, in denen die hohe Auflösung nützlich ist, dürften derzeit kaum eine bessere Maschine für ihre Zwecke finden.